Die “angeblichen” Einkommen der Aerzte wurden mal wieder publiziert. Das hat einen Namen. Hasler-Studie, von der FMH offiziell mitgetragen.
Diesmal, im Jahre 2011, ging es um das Einkommen im Jahre 2008. Die Zahlen geben jedes mal zu erheblichem Unmut Anlass. Bei denen, die in den unteren Rängen figurieren, zur Bestätigung ihres Ärgers nach dem Motto: “Ich hab’s schon immer gewusst, dass ich bei den Verlierern bin, eine Schweinerei ist das”, und natürlich eine Anfachung der Wut über das Einkommen der besser Verdienenden. Bei denjenigen, die in den höheren Rängen zu finden sind, entsteht aber auch Unmut, weil die Zahlen nie stimmen. Z.B., weil immer wieder mal Umsatz mit Einkommen verwechselt wird, weil Dinge ins Einkommen gerechnet werden, die derjenige gar nie wirklich eingenommen hat, sondern sie aufgrund von Berechnungskonstrukten entstehen (z.B. Verschiebung von Steuerschulden und vieles andere mehr), und was der komplexen Dinge mehr sind.
Angeblich habe ich im Jahre 2008 über 350 Tausend Franken verdient. Mein Treuhänder sagt mir aber was ganz anderes. Es ist jedenfalls nicht mal die Hälfte. Und das ist ja dann immer vor der Steuerrechnung, die meinem Betrieb trotzdem noch genug abknöpft. Bis anhin waren das bis zu 40’000.- Steuerlast. Nur so nebenbei.
Die Zahlen sind deshalb schon falsch, weil sie von falschen Prämissen ausgehen. Bei den Augenärzten ist es z.B. so, dass ich Ihnen an einer Hand 5 Augenärzte aufzählen kann, die weit über 3 Millionen Franken verdienen. Das tun sie aber nicht über das KVG, sondern sie machen z.B. Laserbehandlungen, die ja bekanntlich jeder selber bezahlen muss.
Neid ist also in jedem Fall falsch. Erstens sind alle selber schuld, die zum Doktor gehn und ihm noch was in den Rachen werfen, zweitens kann sich jeder selber einen Job aussuchen, bei dem er mehr verdient. Man kann sich auch freischaffend ins Investmentbanking einklinken, ich kenne solche, die mit Derivaten oder neukonstruierten Fonds ein Heidengeld verdienen. Es braucht Mut, ist klar, und man darf halt auch keine Skrupel vor dem Schiffbruch und der Verarschung anderer Leute haben, denn das ist systemimmanent programmiert.
Am Ende der Fahnenstange geht dann aber doch jeder Patient, wenn er denn unter einem entsprechenden Problem leidet, zu Dr. oder Prof. xyz, auch wenn der ein Rieseneinkommen hat, bloss weil er hofft, von dieser Koryphäe geheilt oder korrekt behandelt zu werden.
Von nichts kommt nichts.
Ich bin immer noch der Meinung, dass viele Ärzte das, was sie verdienen, auch wirklich “verdient” haben. Sie arbeiten nämlich viel dafür, und eben auch oft gut. Ganz im Gegensatz zu vielen Bankern, Finanzjongleuren, Versicherungsagenten und anderen windigen Gestalten, welche unsere Geschäftswelt bevölkern, und m.E. die teils exorbitanten Summen, die sie sich auf ihre Konten schaufeln, sicherlich in keiner Weise wirklich verdient haben.
Dass die Ärztelöhne oder -einkommen trotzdem gelegentlich etwas ungerecht verteilt sind, ist hier nicht Thema. Das IST leider so, und politisch gewollt. Die besser verdienenden Spezialisten haben vor 25 Jahren darauf gedrängt, dass die Hausärzte oder auch Psychotherapeuten ein besseres Einkommen verdient haben. Eine Gesamtrevision Arzttarif wurde an die Hand genommen, was die FMH damals über 5 Mio. Franken gekostet hat. Das Unterfangen wurde dann von der Politik bös torpediert, das ursprünglich GRAT genannte Projekt annektiert, umfunktioniert, in ein neu geschaffendes KVG implementiert und ein TarMed daraus gemacht, der von Anfang an schon deshalb, weil schon wieder die santésuisse mit am Tisch sass und den Bazar wieder eröffnet hat, zum Schiffbruch verurteilt war.