Managed-Care Vorlage: Politische Augenwischerei

16 Mai 2012 | Von ATK in allgemein, Gesundheitswesen | Keine Kommentare - Neuer Kommentar erfassen

„Behandlung verbessern – Kosten dämpfen. Ja zu einem gestärkten Hausarzt.“
Mit diesem Slogan kämpft die Gruppe „bessere-behandlung.ch“, hinter der unter anderem die Vereinigung Hausärzte Schweiz mit ihrem Präsidenten Marc Müller steckt, für die Annahme der Managed-Care Vorlage am 17. Juni.
Die vollmundigen Ankündigungen, die man auch auf der Homepage nachlesen kann, wären zu schön und ein Lächeln wert, wenn die ganze Sache nicht so traurig wäre. Gerade die Hausärzte, denen man mit dem neuen KVG und sämtlichen darauffolgenden politischen Massnahmen praktisch alles weggenommen hat, träumen einmal mehr davon, dass ihnen endlich das Richtige widerfährt.
Doch weit gefehlt: Der Traum wird ein Traum bleiben. Derjenige, der mir zeigen kann, wo man durch Sparen eine Qualitätsverbesserung erreicht hat, darf das dann auch offiziell vertreten. Auf dem Gebiet der Managed Care wird man diesen Beweis schuldig bleiben: Amerika, das Managed Care schon seit 20 Jahren kennt, hat immer noch das teuerste Gesundheitswesen, und die Behandlungsqualität für einen Grossteil der Bevölkerung sieht miserabel aus. Und in keinem anderen Land mit MC-Systemen sieht es besser aus.
Und noch ein wichtiger Irrtum muss aus dem Weg geräumt werden. Sowohl die Gesetzesvorlage als auch deren Befürworter tun so, als ob bis anhin die Aerzte nicht vernetzt gearbeitet hätten. Jedoch: Das Gegenteil ist der Fall. Während aber bis jetzt der Arzt seine Netzwerk-Kollegen und Institutionen (z.B. Spitäler) nach medizinischen Qualitätskriterien aussuchen konnte und mit denjenigen zusammenarbeiten konnte, mit denen die Zusammenarbeit auch klappte, wird bei der Annahme der Managed-Care Vorlage irgendein CEO oder Versicherungshengst bestimmen, wer mit wem zusammenarbeitet, und da geht es nicht um medizinische Qualität, sondern nur darum, wer das am billigsten (nicht am günstigsten) tut.
Mit dieser Vorlage wird trotzdem nichts gespart. Denn die eingesparten Gelder der Managed-Care-Netzwerke fliessen nicht an den Patienten zurück (oder wenigstens wieder ins Gesundheitswesen), sondern an die dahinterstehenden Versicherungen. Leistungserbringer mit Budget-Mitverantwortung verdienen mehr, je mehr sie am Patienten einsparen. Auch mit dieser Vorlage wird am Ende der Patient schon wieder ein bisschen schlechter dastehen.

Was auch niemand sagt: Stellen Sie sich vor, sie sind schon in einem Netzwerk. Leider gehört es einer Krankenkasse. Es muss also aufgelöst werden. Wenn nun die Aerzte, die bisher in diesem Netzwerk gearbeitet haben, gemäss Vorgabe des neuen Gesetzes mit einer anderen Krankenkasse und einem noch besseren Netzwerker einen noch besseren Vertrag bekommen, dann haben Sie als Patient Pech gehabt, denn Sie können mit Ihrer Krankenkasse leider nicht mehr zu diesem Arzt gehen, nur noch zu einem, mit dem Ihre Krankenkasse einen Vertrag hat, ob der Ihnen passt oder nicht.
Lassen Sie sich nicht blenden, die Versprechungen sind genauso viel wert wie seinerzeit die Versprechungen bei Einführung des KVG: Nämlich nichts. Also stimmen Sie NEIN zur Managed Care – Vorlage!

NEIN zur Managed Care Vorlage vom 17. Juni

15 Mai 2012 | Von ATK in allgemein, Gesundheitswesen | Keine Kommentare - Neuer Kommentar erfassen

An vielen Orten kann man inzwischen schon von der kommenden Abstimmung lesen. 10 vor 10 brachte auch schon einen Beitrag, wie inzwischen vom eher linksgepolten Schweizer TV nicht anders gewohnt, indem es relativ unreflektiert die bundesrätliche Empfehlung kolportierte.

Managed Care tönt immer gut. Davon sind auch diejenigen Leistungserbringer überzeugt, die bereits in solchen Netzwerken – erfolgreich – arbeiten. Dagegen hat eigentlich auch niemand etwas, nicht einmal die Gegner der jetzigen Vorlage.

Der Teufel liegt wieder einmal, wie so oft, im Detail. – Als es damals um das neue KVG ging, hat man auch gesagt: Jaja, jetzt machen wir doch mal das neue Gesetz, das alte taugt jedenfalls gar nichts mehr, und Verbesserungen können wir dann immer noch anbringen. Inzwischen leben wir seit mehr als 16 Jahren mit dem neuen KVG. Und? Verbesserungen? Mehr Qualität? Weniger Kosten? Sonst etwas von den grossspurigen Versprechungen von damals?

Eben. – Seither wird nur dran rumgeflickt. Und die Mananed-Care-Variante ist jetzt auch wieder so ein Flickwerk. Allerdings: Da bahnt sich ein Systemwechsel an, und deshalb muss man die Gesetzesartikel wirklich sehr genau studieren. Und wer die genau studiert, der kriegt ein böses Erwachen. Ein Wechsel auf “Alle in Managed Care oder sonst gar nichts bzw. höchste Prämien” ist vor allem ein Ausverkauf unseres Gesundheitswesens an die Versicherungen.

Bisherige Netzwerke können gar nicht weiterarbeiten, da die Vorgaben im Gesetz sehr konkret sind: Ein Netzwerk muss zwingend ein Spital mit im Netz haben, oder zumindest einen Kooperationsvertrag. Krankenkassen dürfen zwar selber keine Netzwerke mehr betreiben, dafür sind sie verpflichtet, mit EINEM der bestehenden Netzwerke einen Vertrag zu machen. Aber nur mit einem. Wenn Sie als Patient also Pech haben, sind sie genau im falschen Netzwerk und ihre Krankenkasse wurstelt mit anderen Aerzten als den Ihren. Jetzt können Sie entweder den Arzt behalten und die Kasse wechseln oder den Arzt wechseln und die Kasse behalten. Jedenfalls stellt man sich unter freier Arztwahl etwas anderes vor.

Dazu kommt, dass im neuen Modell fast nur noch der Frauenarzt als frei zugänglich gilt. Der Psychiater braucht eine Einweisung, der Augenarzt auch. Sie können also nicht mehr einfach so zu mir kommen. Und wenn Ihr Hausarzt – im Managed Care MOdell – einen Vertrag mit einem anderen Augenarzt hat, dann haben Sie auch Pech gehabt, dann zahlen Sie die Konsultationen bei mir alle selber, obwohl ich natürlich nichts anderes mache (und nicht teurer bin) als der Augenarzt, zu dem Sie dann gehen müssten oder sollten.

Also: NEIN einlegen am 17. Juni!

 

(Dies ist ein erster Beitrag unter vielen anderen zu diesem Thema)

 

Pillenstreit: Jetzt schreiten die Ärzte zur Gegenoffensive

01 Mai 2012 | Von ATK in Gesundheitswesen | Keine Kommentare - Neuer Kommentar erfassen

Die Selbstdispensation, also, dass Ärzte Medikamente verkaufen dürfen, ist seit jeher ein Streitpunkt. Wohl am ehesten diejenigen, die selber korrupt sind, werfen den Ärzten unlautere oder unverschämte Bereicherung vor. Warum jeder am Verkauf seiner Ware verdienen darf und soll, darauf weiss dann allerdings niemand eine Antwort. Der Apotheker darf, der Arzt nicht?
Naja.
Es gibt noch so ein Problem. Die Apotheker behaupten ja immer, wer behandelt, verkauft nicht. Weshalb der Arzt eben rezeptieren soll und dem Apotheker den Verdienst überlassen. Wie sich jetzt das neue ärztliche Beratungsmodell netCare mit diesem apothekeneigenen Motto verträgt, bleibt offen. Da müssste ja dann der Apotheker, dessen Kunde sich bei ihm per ärztlicher Fern(seh)diagnostik beraten lässt, diesen zu seinem Apothekerkollegen schicken, denn wer diagnostiziert und berät, verkauft nicht. Hm.
Übrigens: Der Medikamentenverkauf im letzten Jahr betrug 4.8 Milliarden. Das ist zwar ein Haufen Geld, bei über 50 Millarden Gesamtkosten im Gesundheitswesen aber nicht mal 10%, also lächerlich wenig für den Krach, den die Politiker und Falsch-Lobbyisten immer vollführen, wenn es um die Medikamentenkosten geht, die viel zu hoch seien. In Basel hängen direkt oder indirekt am Tropf der Pharmaindustrie 40% der Bevölkerung. Senken wir weiter die Preise, hat das Konsequenzen. Hat es ohnehin schon, siehe Merck-Serono – Debakel in Genf.
Ach ja, und noch was: Ich glaube tatsächlich, dass wir an den Margen des Medikamentenverkaufs etwas ändern müssen. Das ist aber rein politisch. Dann können uns die Politiker und andere Neider endlich nicht mehr – fälschlicherweise – vorwerfen, wir würden uns am Medikamentenverkauf unnötig bereichern.
Immerhin werden von den 4.8 Millarden ein Viertel in den ärztlichen Apotheken umgesetzt. Da aber die Hälfte der Schweizer Kantone eine Selbstdispensation haben, ist damit praktisch bewiesen, dass die Mehrheit des Geldes anderswo umgesetzt wird.
Es macht also Sinn, dass die FMH jetzt einen Vorschlag unterbreitet hat zur Vergütung der Beratung anlässlich des Medikamentenverkaufs, und gleichzeitig die Marge für die Logistik gesenkt wird, man also am Verkauf des Medikamentes eigentlich nichts mehr verdient.

Arzt mit Apotheke in Zürich oder Winterthur – und jetzt?

19 Dezember 2011 | Von ATK in allgemein, Gesundheitswesen | Keine Kommentare - Neuer Kommentar erfassen

Das Bundesgericht hat entschieden. Siehe Beiträge weiter unten.

Wer allerdings davon ausging, dass nun die Vorlage und damit der Volkswille endlich umgesetzt werden könne, der sieht sich einmal mehr getäuscht. Wer die rechtlichen Mittel unseres Rechtsstaates auszuschöpfen versteht, der kommt in der Schweiz sehr weit. Und in diesen Belangen sind die Apotheker nun mal sehr gut.

Ihr Argument: Die Uebergangszeit sei viel zu kurz angesetzt, um sich auf dieses Ungemach vorzubereiten, schliesslich müsse ja nun umstrukturiert und Personal abgebaut werden…kurzum: Die Apotheker verlangen eine Uebergangsfrist von 5 Jahren.

Also: Statt sich jetzt eben in den vergangenen 12 Jahren auf die anstehende Umstellung vorzubereiten, haben sie ihre Zeit lieber darin investiert, welche juristischen Winkelzüge man noch anwenden könnte, um den Volkswillen zu umgehen. Und siehe, sie haben wieder etwas gefunden. Und haben das dann gleich zur Sicherheit noch einmal vor Bundesgericht deponiert.

Randbemerkung: Diese sinnlose Beschäftigung der Juristen muss nicht einmal von den Apothekern selber berappt werden. Das zahlen wir Bürger, also genau diejenigen, die eigentlich eine Selbstdispensation wollten. Wollen Sie nicht nächstes mal, wenn Sie in die Apotheke gehen, den Chef oder die Chefin mal fragen, ob er oder sie eigentlich noch gut schlafen könne (oder sich auch bereits aus seiner Schatulle mit Schlafmittel bedienen muss)?

Viele kleine Schritte und ein grosser

01 Dezember 2011 | Von ATK in Augentagesklinik, Infos | Keine Kommentare - Neuer Kommentar erfassen

Die Augentagesklinik Sursee hat sich in den letzten 18 Jahren enorm entwickelt. Diesen Sommer wurde deshalb die Klinik umgebaut. Es steht uns nun fast doppelt so viel Platz zur Verfügung und Einrichtung und Innausbau genügen wieder allen modernen und aktuellen Kriterien.

Schauen Sie sich dazu auch den neuen Film auf der Homepage der Augentagesklinik an (www.augentagesklinik.com, gleich auf der ersten Seite auf das Filmsymbol klicken)!

 

 

Am 8.11. wurden die Räumlichkeiten der interessierten Bevölkerung näher gebracht. Der Tag der offenen Tür ermöglichte vielen Interessenten, sich ein Bild der modernen Augenchirurgie und Augendiagnostik zu machen und die schönen und praktischen Räumlichkeiten zu bewundern. Am Büffet konnten vertiefende Gespräche geführt werden, was auch intensiv genutzt wurde.

Wir freuen uns, Ihnen mit neuen Räumen und einer optimal organisierten Spitzenmedizin zur Verfügung stehen zu können.

Erfolgreich an der SURWA

01 Dezember 2011 | Von ATK in Augentagesklinik, Infos | Keine Kommentare - Neuer Kommentar erfassen

Dieses Jahr war die Augentagesklinik wieder an der Surseer Warenmesse dabei. Da diese ihr 50-jähirges Jubiläum feierte, wurde in entsprechend representativen Räumen diesem Zeitraum Platz eingeräumt.
Die Augentagesklinik Sursee durfte sich im Ambiente der 60er Jahre präsentieren. Ein sehr ansprechend gestalteter Stand ermöglichte allgemeine Beratungen, das Messen der Brechkraft und des Augendruckes sowie die Diagnostik von Hornhaut und Netzhaut (Topografie für Refraktiv-Beratung, Makuladiagnostik).

2000 Besucher mehr als das letzte mal konnten begrüsst werden.

An der SURWA wurde auch der neu geschaffene Informationsfilm präsentiert.

Bei mindestens 300 Personen konnte eine prophylaktische Messung von Refraktion und Augendruck  durchgeführt werden.

Ausserdem konnte an einem Wettbewerb teilgenommen werden. Die glücklichen Gewinner einer schönen Uhr (Augentagesklinik-Label) sind.

Carmen Fellmann, Sursee

Lisbeth Winiger, Neudorf

Astrid Peter, Grosswangen

Namen Sonnenbrillen-Gewinner:

Edith Kneubühler, Sursee

Karin Biasco-Erni, Schenkon

Josy Hodel-Albisser, Hergiswil¨

Pirmin Kaufmann, Schüpfheim

Kurt Höltschi, Willisau

Brigitta Oggier, Oberkirch

Cheyenne Hüsler, Dagmersellen

 

An der SURWA wurde auch der neue Augentagesklinik – Informations-Film präsentiert. Sie können sich diesen auf www.augentagesklinik.com anschauen.

Viel Betrieb am Stand

Die zentral gelegene Bar bot von der Augentagesklinik gratis offerierte Getränke an

Viel Betrieb am Stand

Der Stand der Augentagesklinik Sursee an der SURWA 2011

Sind die Margen zu hoch?

23 November 2011 | Von ATK in Gesundheitswesen | 1 Kommentar - Neuer Kommentar erfassen

Eine santésuisse-Studie zeigt, dass die Schweizer Margen bei Medikamenten im Schnitt einen Viertel höher sind als in Referenzländern Europas. Verschreibungspflichtige Medikamente belasteten im Jahr 2010 die Prämienzahler in der Grundversicherung mit rund 4,8 Mrd. Schweizer Franken. Davon flossen 1,3 Mrd. Schweizer Franken als Marge an den Handel. Die Krankenversicherer fordern, dass die Schweizer Margen auf das europäische Niveau gesenkt werden. Das Sparpotenzial beträgt 300 Mio. Schweizer Franken zugunsten der Prämienzahler.
Soweit der Kommentar der santésuisse. Ich finde es ja grossartig, wie sich die Damen und Herren dort grosse Mühe machen, überall noch Sparpotential ausfindig zu machen. Aber anfangen zu sparen könnte man z.B., indem man diese santésuisse-Mitarbeiter mal einspart. Die kosten bloss Geld. Herausfinden, wo man sparen kann, tun andere auch. Ob es dann nützt, ist eben eine ganz andere Frage.
Z.B. bei den Margen sparen: Ja, warum sind denn die Beträge in der Schweiz so hoch? Weil wir hier eine unglaubliche Regel- und Kontrolldichte haben und Personal für Administration brauchen, die eben deshalb entsteht, weil so Knilche wie die von der sas immer Zahlen haben wollen. Und weil die Lohn- und Nebenkosten so exorbitant hoch sind.
Wir können locker ein paar Milliönchen einsparen, wenn wir die Lohnkosten senken würden. Eben, fangen wir mal bei den Mitarbeitern der santésuisse an, mal sehen, wie froh sie darüber sein werden. Sind schliesslich ihre Ideen, man müsse mit den Margen runter!!

Warum die Griechen so viel Schulden haben: Ein Beispiel

28 Oktober 2011 | Von ATK in allgemein | Keine Kommentare - Neuer Kommentar erfassen

Im Moment wird viel über Griechenland und seine Schulden debattiert. Die einen freut’s,  die anderen wollen die Griechen endlich los werden. Die Griechen selber wollen auch je länger je mehr in diesem Europa gar nicht mehr dabei sein.

Verständlich. Griechenland ist nämlich nicht euro- oder eu-kompatibel. In keiner Weise. War es auch nie. Als sie zur EU gestossen sind, hatten sie bereits ihr Budget getürkt. Das war zwar vielen bekannt, aber man drückte sämtliche zur Verfügung stehenden Augen zu. Warum auch immer. Nun haben wir den Salat.

Was fällt Ihnen ein, wenn Sie an Griechenland denken? Schöne Landschaft, Ferien, Tourismus, gutes Essen. Und sonst? O.k., alte Kulturgüter. Weiter? Eben. Vielleicht fallen einem gerade noch ein paar schöne Menschen ein, oder griechische Musik, aber dann ist Ebbe, selbst Feta-Käse wird ausserhalb Griechenlands oft besserer hergestellt. Dieses Land hat keine Produktivität. Es gibt nichts, was weltweit oder wenigstens europaweit als wichtiges Produkt griechischer Herkunft bekannt wäre. Schiffe werden keine mehr gebaut, jedenfalls keine grossen Pötte mehr, und die Reederei ist seit Onassis’ Tod auch nicht mehr das, was sie mal war.

Als Kenner der Eisenbahnszene werde ich Ihnen nun ein paar Müsterchen aus dieser Branche verraten, die Ihnen klar vor Augen führen, warum Griechenland dort ist, wo es ist, und wahrscheinlich auch gar nie EU-kompatibel sein wird.

Griechenland hat immer noch eine Staatsbahn, die OSE. Die Angestellten sind alle beamtet, man kann ihnen also nicht künden, man kann sie nur versetzen, was manchmal zu so skurrilen Erscheinungen führt wie der Versetzung des letzten Lokführers, der noch alle Dampfloktypen gekannt hat und damit für den Tourismus unabdingbar war, in ein Amt, das Vorschriften zur Herstellung von Vorschriften herstellt.

Im letzten Jahr haben die griechischen Eisenbahner an 136 Tagen gestreikt, also im Durchschnitt jeden dritten Tag. Damit sind sie sogar den streikfreudigen Italienern einiges voraus.

Das ist aber nicht alles. Griechenland steckt voller eisenbahntechnischer Bauruinen und Fehlplanungen. Da wird für teures EU-Geld eine Intercity-Verbindung mit Tunnels und Brücken gebaut von Athen nach Thessaloniki. Natürlich hinkt man aufgrund der griechischen Arbeitsmoral weit hinter dem Fahrplan, aber selbst wenn die Strecke mal fertig wird, wird sie wohl nie rentabel betrieben werden können mit 6 Zügen am Tag…

Da wird mit grossem Aufwand und wieder mit EU-Beiträgen eine Schmalspurstrecke ausgebaut und modernisiert (Katakolo-Pirgos). Die Bahn ist bei der Bevölkerung beliebt und lässt sich rentabel betreiben. Aber die OSE-Verwaltung liebt Schmalspur nicht, wahrscheinlich wegen der ersten Silbe. In Griechenland war “small never beautiful”. Man klotzt lieber, auch wenn man das Geld dazu gar nicht hat. Also wird ein kleiner Unfall (drei Zugbeamte vergessen, an einer Halt auf Verlangen-Haltestelle anzuhalten, obwohl jemand aussteigen will, und denjenigen killt’s dann auch prompt beim Unfall) bei Achladokampos als Anlass genommen, gleich den ganzen Betrieb vollständig einzustellen. Die Fahrzeuge gammeln inzwischen vollständig versprayt vor sich hin.

Dies sind nur einige Beispiele aus einer eigentlich ohnehin völlig unwichtigen Ecke, nämlich den in Griechenland ohnehin sträflich vernachlässigten Eisenbahnen. Wenn man aber schon nur hier in die Details der totalen Fehlplanung und Misswirtschaft hinein sieht, dann wundert einen gar nichts mehr.

Gut, sind wir Schweizer von der Frage befreit, ob wir den Griechen helfen sollen. Wir sind schliesslich nicht in der EU!

Sehr gut und – sehr teuer – und…

18 Oktober 2011 | Von ATK in allgemein, Gesundheitswesen | 5 Kommentare - Neuer Kommentar erfassen

WHO und OECD haben mal wieder die Gesundheitswesen der (westlichen) Welt beurteilt. Unseres auch. Die Schweiz kommt weg wie immer. Wir hatten es ja vorher schon gewusst, dazu hätte es keiner teuren Analyse dieser Organisationen bedurft: Unser Gesundheitswesen ist gut. Und teuer. Das wussten wir schon.

Jetzt kommt aber ein interessanter neuer Aspekt hinzu. Gemäss der neuesten Studie ist es auch ineffizient. Ach! Interessant. Woher kommt denn das? Seit einiger Zeit müssen die Leistungserbringer gemäss politischem Willen einen Haufen Qualitätssicherungsmassnahmen durchführen, müssen ihre Tätigkeiten an x Ämter, Kontrollstellen und Versicherungen in tausend verschiedenen Formularen melden, werden kontrolliert, geprüft, für teures Geld zertifiziert für lauter Dinge, die sie vorher anstandslos, ohne Kontrolle, perfekt ausgeführt haben, in bestem Wissen und Gewissen.
Wenn Sie jetzt allerdings davon ausgehen, dass die Politiker, Verbände und Versicherungen sich aufgrund dieses Berichtes an der Nase nehmen würden, dann haben sie die Funktion des Systems nicht verstanden.
Als Folge des Berichtes werden die Patienten gezwungen werden, sich gefälligst effizientere Krankheiten auszudenken, oder wenn schon zu verunfallen, dann möglichst praktisch, und die Leistungserbringer werden dazu verdonnert, diese effizienten Krankheiten und praktischen Unfälle so leistungsarm wie nur irgendmöglich zu behandeln. Also am besten gar nicht, das ist nämlich am billigsten.
Ein Phänomen, das übrigens ein Bestandteil von Managed Care ist: Je weniger in der Managed Care Organisation wirklich gemacht wird, desto mehr verdient sie. Der Arzt, der mit Budgetverantwortung eingebunden ist, verdient also am meisten, wenn er nichts tut. Eine verlockende Perspektive…!

Veröffentlichung der Aerztehonorare

18 Oktober 2011 | Von ATK in allgemein, Gesundheitswesen | Keine Kommentare - Neuer Kommentar erfassen

Die “angeblichen” Einkommen der Aerzte wurden mal wieder publiziert. Das hat einen Namen. Hasler-Studie, von der FMH offiziell mitgetragen.

Diesmal, im Jahre 2011, ging es um das Einkommen im Jahre 2008. Die Zahlen geben jedes mal zu erheblichem Unmut Anlass. Bei denen, die in den unteren Rängen figurieren, zur Bestätigung ihres Ärgers nach dem Motto: “Ich hab’s schon immer gewusst, dass ich bei den Verlierern bin, eine Schweinerei ist das”, und natürlich eine Anfachung der Wut über das Einkommen der besser Verdienenden. Bei denjenigen, die in den höheren Rängen zu finden sind, entsteht aber auch Unmut, weil die Zahlen nie stimmen. Z.B., weil immer wieder mal Umsatz mit Einkommen verwechselt wird, weil Dinge ins Einkommen gerechnet werden, die derjenige gar nie wirklich eingenommen hat, sondern sie aufgrund von Berechnungskonstrukten entstehen (z.B. Verschiebung von Steuerschulden und vieles andere mehr), und was der komplexen Dinge mehr sind.

Angeblich habe ich im Jahre 2008 über 350 Tausend Franken verdient. Mein Treuhänder sagt mir aber was ganz anderes. Es ist jedenfalls nicht mal  die Hälfte.  Und das ist ja dann immer vor der Steuerrechnung, die meinem Betrieb trotzdem noch genug abknöpft. Bis anhin waren das bis zu 40’000.- Steuerlast. Nur so nebenbei.

Die Zahlen sind deshalb schon falsch, weil sie von falschen Prämissen ausgehen. Bei den Augenärzten ist es z.B. so, dass ich Ihnen an einer Hand 5 Augenärzte aufzählen kann, die weit über 3 Millionen Franken verdienen. Das tun sie aber nicht über das KVG, sondern sie machen z.B. Laserbehandlungen, die ja bekanntlich jeder selber bezahlen muss.

Neid ist also in jedem Fall falsch. Erstens sind alle selber schuld, die zum Doktor gehn und ihm noch was in den Rachen werfen, zweitens kann sich jeder selber einen Job aussuchen, bei dem er mehr verdient. Man kann sich auch freischaffend ins Investmentbanking einklinken, ich kenne solche, die mit Derivaten oder neukonstruierten Fonds ein Heidengeld verdienen. Es braucht Mut, ist klar, und man darf halt auch keine Skrupel vor dem Schiffbruch und der Verarschung anderer Leute haben, denn das ist systemimmanent programmiert.

Am Ende der Fahnenstange geht dann aber doch jeder Patient, wenn er denn unter einem entsprechenden Problem leidet, zu Dr. oder Prof. xyz, auch wenn der ein Rieseneinkommen hat, bloss weil er hofft, von dieser Koryphäe geheilt oder korrekt behandelt zu werden.

Von nichts kommt nichts.

Ich bin immer noch der Meinung, dass viele Ärzte das, was sie verdienen, auch wirklich “verdient” haben. Sie arbeiten nämlich viel dafür, und eben auch oft gut. Ganz im Gegensatz zu vielen Bankern, Finanzjongleuren, Versicherungsagenten und anderen windigen Gestalten, welche unsere Geschäftswelt bevölkern, und m.E. die teils exorbitanten Summen, die sie sich auf ihre Konten schaufeln, sicherlich in keiner Weise wirklich verdient haben.

Dass die Ärztelöhne oder -einkommen trotzdem gelegentlich etwas ungerecht verteilt sind, ist hier nicht Thema. Das IST leider so, und politisch gewollt. Die besser verdienenden Spezialisten haben vor 25 Jahren darauf gedrängt, dass die Hausärzte oder auch Psychotherapeuten ein besseres Einkommen verdient haben. Eine Gesamtrevision Arzttarif wurde an die Hand genommen, was die FMH damals über 5 Mio. Franken gekostet hat. Das Unterfangen wurde dann von der Politik bös torpediert, das ursprünglich GRAT genannte Projekt annektiert, umfunktioniert, in ein neu geschaffendes KVG implementiert und ein TarMed daraus gemacht, der von Anfang an schon deshalb, weil schon wieder die santésuisse mit am Tisch sass und den Bazar wieder eröffnet hat, zum Schiffbruch verurteilt war.