Ein Artikel der Berliner Rundschau vom 29.5.2012:
Von Paul Müller
Gesundheitsversorgung ist in den USA bekanntlich vor allem ein Frage des Geldbeutels. Wie massiv Patienten jenseits des Atlantik abgezockt werden, zeigt eine jetzt veröffentlichte Studie: “Explaining High Health Care Spending in the United States: An International Comparison of Supply, Utilization, Prices, and Quality”. Sie vergleicht Gesundheitskosten in den Vereinigten Staaten mit denen der anderen westlichen Industriestaaten.
Auffallend sind dabei die hohen Pro-Kopf-Ausgaben für den Gesundheitsdienst. Im Jahre 2009 lagen sie bei 7.960 Euro. Auf Platz 2 folgt abgeschlagen Norwegen mit 5.352 Dollar. In Deutschland waren es demnach 3.978 Dollar. Auch bezogen auf das Nationaleinkommen wurden in den USA 17.4 Prozent für den Gesundheitsdienst ausgegeben, in Deutschland 11,6 in Japan 8,5 Prozent.
Die hohen Kosten sagen aber nicht unbedingt etwas über die Qualität der Gesundheitsversorgung in den USA aus. Nicht nur, weil Millionen US-Amerikaner nicht einmal über eine Krankenversicherung verfügen. Vor allem gibt es in den USA mit 2,4 Ärzten pro 1.000 Einwohner so wenige Mediziner, wie in keinem anderen OECD-Land außer Japan. Pro Person und Jahr kommen 3,9 Arztbesuche – nur die Schweden lassen sich seltener untersuchen. Es gibt die wenigsten Krankenhausbetten – 2,7 pro 1.000 Einwohnern. Und mit 5,4 Tagen auch die kürzeste Akutversorgung.
Woher stammen also die exorbitanten Kosten? Die gerne genommenen Argumente – zu viele Alte, zu ungesundes Leben – scheinen nicht zuzutreffen. 13 Prozent der US-Amerikaner sind über 65 Jahre alt – in Deutschland sind es 20,5 Prozent, lediglich Neuseeland hat weniger Menschen im Rentenalter als die Vereinigten Staaten. Der Raucheranteil liegt in den USA bei 16,1 Prozent; in Deutschland 24,7 Prozent, in der Schweiz 28,9 Prozent. Allerdings liegt die Fettleibigkeit in den USA höher.
Antwort der Studie: in den USA gibt es die höchsten Preise für Arztbesuche, Behandlungen und Medikamente. Die 30 am häufigsten verschriebenen Medikamente kosten 30 Prozent mehr als in Kanada und Deutschland, sogar doppelt so viel wie in Australien, Frankreich und Niederlande. Lediglich die Preise für Generika sind in den USA interessanterweise niedriger.
Bezahlt werden muß dies in den USA besonders massiv von den Kranken. So lag der öffentliche Anteil an den Gesundheitsausgaben bei 50 Prozent. In den anderen Staaten schwankt dieser Anteil zwischen 60 Prozent in der Schweiz, sowie 84 Prozent in Norwegen und Großbritannien.
Soweit der Report von Paul Müller. Dem ist eigentlich nichts mehr hinzuzufügen. Vielleicht ausser dies: Das Managed Care System, das in der Schweiz eingeführt werden soll, sieht etwas ähnliches vor: Da das Parlament, noch genügend rechts-dominiert, zu viel staatliche Eingriffe fürchtet, hat es den Ball den Versichereren zugeschoben, welche die Verträge mit den Netzwerken aushandeln sollen/dürfen. Frage: Wie wird das wohl herauskommen? Haben sich Krankenkassen und Versicherungen in der Schweiz bis anhin als besonders Patienten-freundlich hervorgetan? Ja? Wunderbar, dann stimmen Sie unbedingt ja am 17. Juni. Wenn Sie aber – wie ich – anderer Ueberzeugung sind, dann müssen Sie NEIN stimmen.