Sparen im Gesundheitswesen
August 17th, 2009 | By ATK in Gesundheitswesen | 1 Kommentar »Dieses Thema füllt die Sommerlöcher.
Es ist interessant, dass sich inzwischen sogar die selbsternannten Gesundheitspolitiker über das BAG und den Bundesrat ärgern, nachdem dies die Patienten und Leistungserbringer ja schon länger tun.
Selbst der Beobachter fühlte sich bemüssigt, die Sparmöglichkeiten im Gesundheitswesen aufzuzeigen. Interessant dabei ist aber schon, dass immer alle ganz genau wissen, wo der Hund begraben liegt, dann aber die eingeleiteten Massnahmen nicht wirklich etwas fruchten.
In einem allerdings hat der Beobachter sicherlich recht: Im Parlament sind viel zu viele Leute mit irgendwelchen Akteuren im Gesundheitswesen verbandelt: Fast die Hälfte der Mitglieder der Gesundheitskommission des Ständerates z.B. haben ein Krankenkassen-Mandat! Wundert es uns da noch?
Etwas muss uns allerdings schon nachdenklich stimmen: Praktisch jedes Land auf der Welt kämpft mit den Gesundheitskosten. Nicht alle gleich stark, und natürlich nicht alle auf gleichem Niveau und auch nicht alle aus ganz genau den gleichen Gründen, aber ein bisschen nachdenklich sollte uns das schon stimmen.
Ist es nicht merkwürdig, dass wir ständig an den Prämien rummäkeln, für unsere Gesundheit aber nur 11% des Bruttoinlandproduktes ausgeben, wohingegen unsere Mobilität uns immer noch 13% des BIP kostet, die Mobilität ist uns – so gesehen – mehr wert als unsere Gesundheit!
Trotzdem, es gibt Dinge bei uns, die es wirklich nur bei uns gibt: Z.B. dass man direkt ohne Zuweisung in ein Spital gehen kann, oder auch zum Superspezialisten. Hier wäre tatsächlich ein Ansatzpunkt für ein gewisses Sparpotential gegeben. Wieviel bei den Medikamenten wirklich gespart werden kann, das sei einmal dahin gestellt. Wir haben ein deutlich höheres Preisniveau, auch bei den Löhnen, es bringt also nichts, Medikamentenpreise mit Holland oder der Türkei zu vergleichen. Viele Vergleiche hinken auch: Bei uns laufen alle Medikamente über offizielle Kanäle, da kennt man alle Umsatzzahlen ganz genau. In anderen Ländern ist das nicht immer so klar.
Und was sicher nichts bringt: so sehr sich gewisse Leute darüber aufregen, dass in der Schweiz Aerzte Medikamente abgeben (verkaufen) dürfen: Mehrere Studien beweisen, dass dieser Kanal billiger ist als jeder andere (mit Ausnahme vielleicht der Versandapotheke, das ist aber schwierig zu prüfen, weil das nur dann billig ist, wenn es sich um eine chronische Medikation handelt). Die Aerzte geben nicht einfach so zum Spass irgendwelche Medikamente ab, die sie bloss danach aussuchen, mit welchen sie am meisten verdienen. Das tut höchstens der Apotheker, der kriegt aber einen roten Kopf, wenn man das sagt. Es bleibt am Ende die Frage, wieso man dem Apotheker den Verdienst am Medikament gönnt, dem Arzt aber nicht. Wenn der Arzt eine Apotheke führt, so kostet ihn das einen ganz ähnlichen Aufwand wie den Apotheker, Logistik- und Lagerkosten fallen an. Tatsächlich ist der Vorteil des Artzes aber jener, dass er a) nur jene Medikamente führen muss, von denen er überzeugt ist und die er kennt, b) nur diejenigen, die er auch wirklich braucht. Ein riesiges Lager, wie es die Apotheken eben brauchen, braucht ein Arzt nicht. Und ausserdem erspart die Praxisapotheke dem Patienten einen zusätzlichen Weg. Warum soll ein Patient noch in die anderswo liegende Apotheke wetzen, wenn er das Produkt auch beim Arzt bekommen kann? – Es regt sich ja auch niemand darüber auf dass man sogar beim Bäcker inzwischen die Butter und die Konfitüre auf’s Brot gleich mit kaufen kann – im Gegenteil. Und niemand regt sich darüber auf, dass der Bäcker damit einen so genannten Nebenverdienst einfährt.
Dass es aber schwierig ist mit dem Sparen im Gesundheitswesen, wenn immer alle dreinreden, zeigt aktuell Präsident Obamas Schwierigkeit, das marode Gesundheitswesen der USA zu sanieren.
