Null Toleranz gegenüber Intoleranz!
November 25th, 2009 | By ATK in allgemein | Keine Kommentare »Die Minarett-Initiative, wie vorhergesagt, lässt die Wellen hoch gehen. Religion ist ein hochemotionales Thema, wo viele Seelen und Geister kein Pardon kennen. Sie sind ja im Reich der Mitte, im Reich Gottes (oder so ähnlich) und wähnen sich daher im Recht.
Wohl mit einer der Gründe dass schon etliche Philosophen, Menschenrechtler, Wissenschaftler und Ethiker dazu aufgerufen haben, die Religionen abzuschaffen. 90% aller bisher geführten Kriege waren Religionskriege oder zumindest religiös motivierte Aggressionen. (Nur so als kleiner Hinweis: Der Islam ist jetzt 1200 Jahre alt. Was taten die Christen im 11. und 12. Jahrhundert? Sie waren auf Kreuzzügen, raubten und mordeten, alles im Namen Jesu! Das Christentum war in seiner fanatischen Phase. Und wir wundern uns über die islamischen Fanatiker, die den Gottesstaat ausrufen wollen!?) Das Problem dabei ist klar: Die jüngeren Religionen sind relativ rigid und strikt und kennen wenig Toleranz. Obwohl – wenn man es genau nimmt – Jesus, und auch Mohammed – genau das, Toleranz, immer wieder gepredigt haben. In Gottes oder Allahs Haus haben alle Platz, schliesslich war es dieser Gott, der uns alle erschaffen hat. Die Trennung verursacht der Mensch. Jede Religion ist also am Ende nur so gut, wie der Mensch, der sie ausübt. Nicht die Religion ist böse, der Mensch ist es, der für diese tötet (in den ganz ganz ganz alten 10 Geboten steht schon: Du sollst nicht töten. Scheint irgendwie ein recht altes Problem des Menschen zu sein).
So ist es also auch jetzt: Nur, weil in gewissen islamischen Staaten die Toleranz im Moment sehr klein geschrieben wird (in Saudi-Arabien dürfen Frauen nicht mal Auto fahren), dürfen wir hier bei uns also auch keine Toleranz gegenüber… ja, gegenüber wem eigentlich… haben: Gegenüber allen Muselmannen und –Frauen, oder nur gegenüber denen bei uns, oder nur gegenüber den Fanatischen bei uns? Gegenüber den Fanatikern im Irak, Pakistan, Afghanistan (nur, was hat dann das mit den Minaretten bei uns zu tun?)? Gegenüber überhaupt allen Ausländern (ja, was ist dann mit den katholischen Deutschen und den calvinistischen Franzosen?)? Schlicht: Keine Toleranz zählt nicht, gibt es nicht! Gerade dass wir toleranter sind als andere, macht uns am Ende stark.
Dass das übrigens geht, zeigen Länder wie z.B. Malaysia, das als Staatsreligion offiziell den Islam führt, daneben gibt es aber mindestens 35% Buddhisten, mindestens 15% Hinduisten und etwa 10% Christen, meistens Katholiken.
Aegypten war bis vor Kurzem auch so ein Land. Zitat: Überall sieht man Moscheen und Minarette; mehrmals am Tag ist der Gebetsruf des Muezzins zu hören. Zudem leben in Ägypten rund 5-7 Millionen koptische Christen. … dennoch sieht man in vielen Städten und Dörfern koptische Kirchen. Aegypten als Vorbild?
Es gibt mehr als 12 Millionen koptische Christen. Das Oberhaupt der Kopten, Papst von Alexandria und Patriarch des Stuhles des Heiligen Markus, hat seinen Sitz seit 1971 in Kairo. Dort wird es allerdings im Moment immer schwieriger, die Kopten sind wegen der Durchsetzung aller politischen Aemter mit Extremisten immer stärkerem Druck ausgesetzt. Fast täglich werden die Kopten diskriminiert, gemobbt oder gar ermordet. Allerdings: Das Land hat ohnehin ein Problem damit, seine Rechtsordnung durchzusetzen. Rechtsprofessor Ibrahim Ahmed Ibrahim, Strafverteidiger am Obersten Gerichtshof: „Es werden viele Fehler gemacht“.
Trotzdem kann Aegypten auch uns als Vorbild dienen. Die Kirchen selber, die koptischen Christen und Muslime, suchen nach Förderung gemeinsamer Projekte, es gibt Vorstösse, den Religionsunterricht aus den Schulen zu nehmen und dafür selber etwas aufzuziehen, und koptische Kirchtürme und Minarette stehen brav nebeneinander. Mubarak hat den koptischen Weihnachtstag als offiziellen Feiertag anerkannt. Wenn wir Christen uns darüber freuen, dass 6-10% der ägyptischen Bevölkerung das erreichen, dürfen wir aber nicht murren, wenn eines Tages bei uns ein muslimischer Koranfeiertag ein offizieller Staatsfeiertag wird. Am Ende ist alles abhängig von der Grösse der Anhängerschaft. Besonders in einer Demokratie entscheidet halt die Mehrheit. – Und wäre das so schlimm?
Auch wenn gerade aus AEgypten eben schlimme Nachrichten kommen über Kopten-Verfolgung und Schändung von Kapellen und Friedhöfen, oder eben: Wie bei uns die Minarette, dürfen die plötzlich keine Kirchtürme mehr bauen.
Solange die Muslime die übrigen Werte unserer christlichen Gesellschaft tolerieren? – Und das, liebe Heidenwütige, tun sie! In der Schweiz gibt es keine christenmordende Intifada. Aber die Muslime, die hier sind, sollten zumindest ihren Glauben ausleben dürfen. Wir nehmen das ja auch für uns in Anspruch, wenn wir in ein anderes Land gehen.
Also eben: Toleranz ist angesagt. Dies ist eine sehr edle, urchristliche Eigenschaft. Wäre schön, wenn wir Christen das endlich schaffen würden. Die Hinduisten sind schon so weit.
