Managed-Care Vorlage: Politische Augenwischerei
16 Mai 2012 | Von ATK in allgemein, Gesundheitswesen„Behandlung verbessern – Kosten dämpfen. Ja zu einem gestärkten Hausarzt.“
Mit diesem Slogan kämpft die Gruppe „bessere-behandlung.ch“, hinter der unter anderem die Vereinigung Hausärzte Schweiz mit ihrem Präsidenten Marc Müller steckt, für die Annahme der Managed-Care Vorlage am 17. Juni.
Die vollmundigen Ankündigungen, die man auch auf der Homepage nachlesen kann, wären zu schön und ein Lächeln wert, wenn die ganze Sache nicht so traurig wäre. Gerade die Hausärzte, denen man mit dem neuen KVG und sämtlichen darauffolgenden politischen Massnahmen praktisch alles weggenommen hat, träumen einmal mehr davon, dass ihnen endlich das Richtige widerfährt.
Doch weit gefehlt: Der Traum wird ein Traum bleiben. Derjenige, der mir zeigen kann, wo man durch Sparen eine Qualitätsverbesserung erreicht hat, darf das dann auch offiziell vertreten. Auf dem Gebiet der Managed Care wird man diesen Beweis schuldig bleiben: Amerika, das Managed Care schon seit 20 Jahren kennt, hat immer noch das teuerste Gesundheitswesen, und die Behandlungsqualität für einen Grossteil der Bevölkerung sieht miserabel aus. Und in keinem anderen Land mit MC-Systemen sieht es besser aus.
Und noch ein wichtiger Irrtum muss aus dem Weg geräumt werden. Sowohl die Gesetzesvorlage als auch deren Befürworter tun so, als ob bis anhin die Aerzte nicht vernetzt gearbeitet hätten. Jedoch: Das Gegenteil ist der Fall. Während aber bis jetzt der Arzt seine Netzwerk-Kollegen und Institutionen (z.B. Spitäler) nach medizinischen Qualitätskriterien aussuchen konnte und mit denjenigen zusammenarbeiten konnte, mit denen die Zusammenarbeit auch klappte, wird bei der Annahme der Managed-Care Vorlage irgendein CEO oder Versicherungshengst bestimmen, wer mit wem zusammenarbeitet, und da geht es nicht um medizinische Qualität, sondern nur darum, wer das am billigsten (nicht am günstigsten) tut.
Mit dieser Vorlage wird trotzdem nichts gespart. Denn die eingesparten Gelder der Managed-Care-Netzwerke fliessen nicht an den Patienten zurück (oder wenigstens wieder ins Gesundheitswesen), sondern an die dahinterstehenden Versicherungen. Leistungserbringer mit Budget-Mitverantwortung verdienen mehr, je mehr sie am Patienten einsparen. Auch mit dieser Vorlage wird am Ende der Patient schon wieder ein bisschen schlechter dastehen.
Was auch niemand sagt: Stellen Sie sich vor, sie sind schon in einem Netzwerk. Leider gehört es einer Krankenkasse. Es muss also aufgelöst werden. Wenn nun die Aerzte, die bisher in diesem Netzwerk gearbeitet haben, gemäss Vorgabe des neuen Gesetzes mit einer anderen Krankenkasse und einem noch besseren Netzwerker einen noch besseren Vertrag bekommen, dann haben Sie als Patient Pech gehabt, denn Sie können mit Ihrer Krankenkasse leider nicht mehr zu diesem Arzt gehen, nur noch zu einem, mit dem Ihre Krankenkasse einen Vertrag hat, ob der Ihnen passt oder nicht.
Lassen Sie sich nicht blenden, die Versprechungen sind genauso viel wert wie seinerzeit die Versprechungen bei Einführung des KVG: Nämlich nichts. Also stimmen Sie NEIN zur Managed Care – Vorlage!
