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Homöopathie, oder : Unser tägliches Experiment gib uns heute

März 23rd, 2010 | By ATK in allgemein, Gesundheitswesen | 1 Kommentar »

Nun streiten Sie wieder, die Komplementärmediziner mit den Schulmedizinern. Ist ja auch irgendwie logisch, dass die Wogen hochgehen. Für eine in keiner Verfassung verankerte naturwissenschafltiche Behandlung blättern wir lockere 50 Milliarden jährlich hin, für Homöopathie und Co bleibt nicht viel übrig, obwohl sie ja inzwischen in der Verfassung verankert ist.
Also sind Ueberlegungen von Leuten durchaus nachvollziehbar, die das ändern wollen. Wir könnten ja mindestens die Hälfte der 50 Milliarden einsparen und dafür eine unendliche Zahl Globuli erwerben, die dann gegen Hämorrhoiden, Halsschmerzen, Kurzsichtigkeit, Beinbruch, iuvenile Arthritis und Morbus Hirschsprung helfen (den letztern gibt’s wirklich, ist ein Darmverschluss bei Kindern).
Was es ja so schwierig macht: Die Homöopathie versteht nur, wer dran glaubt. Das ist eigentlich eine Religion, keine Heilkunst.
Denn: Es weiss niemand, was wirkt. Es ist ja kein Wirkstoff drin. Das „Prinzip“ wirkt, das lässt sich aber nicht beweisen. Das Gegenteil zwar auch nicht, und deshalb muss man eben dran glauben.

Mein Grossvater hat Homöopathie gemacht. Er hat viel davon vestanden und ich habe viel von ihm gelernt. Es blieben aber bis am Schluss Zweifel. Z.B. betonen die Homöopathen ja immer, dass sie mit der Methode keinen Schaden anrichten.
Erstens stimmt das aber so schon mal nicht, weil es gibt auch unter homöopathischer Behandlung massive Verschlechterungen der Symptome (das muss scheint’s manchmal sogar so sein), zweitens kann man auch schaden, wenn man falsch behandelt und drittens kann es auch, und das ist auch ein Schaden, nichts nützen.
Das grössere Wunder ist aber, dass es wirkt, obwohl es – zumindest angeblich – keine Nebenwirkungen hat. Denn: Wo Wirkung, da auch unerwünschte Wirkung.
Selbst in den für Esotheriker gültigen Grundlagen der Tabula smaragdina ist verewigt, dass alles aus Gegensätzen und Gegenpolen besteht, sich eine Wirkung eben dort entfaltet, wo zwei Pole aufeinander Wirken, oder zwei Kräfte oder wie man das dann auch immer nennen möchte, Yin und Yang, Plus und Minus, Rot und Grün.
Dass also etwas wirkt, obwohl es nicht wirklich wirkt, ist schon etwas merkwürdig, oder ein bisschen verdächtig.
Oder umgekehrt: Wenn es eben doch wirkt, hat es eben auch unerwünschte Wirkungen (und das wäre im Grunde ehrlicher, denn Homöopathie HAT unerwünschte Wirkungen, sooo harmlos, wie da manchmal geprahlt wird, ist es dann auch wieder nicht).

Das andere Problem ist dasjenige dieses sogenannten geistigen Wirkprinzips. Hahnemann, der Begründer der Homöopathie, ist davon ausgegangen, Gleiches mit Gleichem zu behandeln, und dann die Wirkung durch alkoholische Verdünnung zu potenzieren. Dass es funktioniert, versuchte er in – eigentlich ziemlich brisant – diversen Humanversuchen zu untermauern. Bewiesen hat er es aber nie, es gibt keine Beweise, dass seine Annahme stimmt. Man könnte auch ganz was anderes tun und damit möglicherweise die gleiche Wirkung erzielen. D.h. wir wissen nicht, ob bei dem Vorgang, den die Homöopathen zur Herstellung Ihrer Flüssigkeiten und Globuli durchführen, wirklich ein geistiges Wirkprinzip übertragen oder vervielfacht wird, und wir wissen auch nicht, ob dieses Konzept der Potenzierung wirklich stimmt. Es lässt sich nicht beweisen. Man muss eben dran glauben.
Wichtig dabei ist m.E., dass es natürlich am Ende egal ist, was genau denn nun wirkt, Hauptsache, es wirkt so, wie wir es uns vorstellen. Für einen Naturwissenschaftler, und das muss man halt auch akzeptieren, ist es aber ein Greuel, nicht zu wissen, wie etwas funktioniert. Also versucht er es eben herauszufinden.
Die Idee übrigens des „Similia similibus curantur“, also dass man Gleiches mit Gleichem behandeln soll, ist uralt. Im Mittelalter war eine solche Behandlung das Uebliche, und auch von alten Indianerstämmen oder den Aegyptern ist ähnliches überliefert. Das ist also keineswegs eine Erfindung der Homöopathen, die haben nur auf Altbewährtes zurückgegriffen und die Zutaten ein bisschen neu gemischt.

Zurück zum Herausfinden, was bei der Homöopathie wirkt: Um zu beweisen, dass in den Homöopathika keine Wirkung drin ist, haben ja kürzlich hunderte von Leuten bei einem Selbstversuch sich Literweise Homöopathica hinter die Binde gekippt. Und keiner merkte auch nur ein bisschen was, keiner wurde krank, irr, schwermütig oder übermütig… Sofort reagierte die Phalanx der Alternativen Heiler, das sei wieder typisch, denn die Versuchkaninchen hätten in keiner Weise begriffen, wie Homöopathie wirkt. Es wirkt eben gerade dadurch, dass es nicht wirkt. Je kleiner die Dosis, je niedriger die Konzentration, desto grösser die Wirkung, … sagen die Homöopathen. Also, wenn man einen Liter Arsenicum D3 runterstürzt, hat man noch keine Arsen-Vergiftung, aber weil es so viel ist, auch keine sonstige Wirkung. Obwohl: Selbst wenn das stimmt mit der Verdünnung und so: Ein bisschen was müsste man doch eigentlich….nur ein kleines bisschen…spüren, oder nicht?

Ein medizinisch bewanderter Feuerwehrmann meinte einmal, wenn wir Brände homöopathisch löschen würden, müsste man 3 Tropfen Benzin ins Feuer schütten.
Das ist Homöopathie.

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