Posts Tagged ‘Selbstdispensation’

Pillenstreit: Jetzt schreiten die Ärzte zur Gegenoffensive

Mai 1st, 2012 | By ATK in Gesundheitswesen | Keine Kommentare »

Die Selbstdispensation, also, dass Ärzte Medikamente verkaufen dürfen, ist seit jeher ein Streitpunkt. Wohl am ehesten diejenigen, die selber korrupt sind, werfen den Ärzten unlautere oder unverschämte Bereicherung vor. Warum jeder am Verkauf seiner Ware verdienen darf und soll, darauf weiss dann allerdings niemand eine Antwort. Der Apotheker darf, der Arzt nicht?
Naja.
Es gibt noch so ein Problem. Die Apotheker behaupten ja immer, wer behandelt, verkauft nicht. Weshalb der Arzt eben rezeptieren soll und dem Apotheker den Verdienst überlassen. Wie sich jetzt das neue ärztliche Beratungsmodell netCare mit diesem apothekeneigenen Motto verträgt, bleibt offen. Da müssste ja dann der Apotheker, dessen Kunde sich bei ihm per ärztlicher Fern(seh)diagnostik beraten lässt, diesen zu seinem Apothekerkollegen schicken, denn wer diagnostiziert und berät, verkauft nicht. Hm.
Übrigens: Der Medikamentenverkauf im letzten Jahr betrug 4.8 Milliarden. Das ist zwar ein Haufen Geld, bei über 50 Millarden Gesamtkosten im Gesundheitswesen aber nicht mal 10%, also lächerlich wenig für den Krach, den die Politiker und Falsch-Lobbyisten immer vollführen, wenn es um die Medikamentenkosten geht, die viel zu hoch seien. In Basel hängen direkt oder indirekt am Tropf der Pharmaindustrie 40% der Bevölkerung. Senken wir weiter die Preise, hat das Konsequenzen. Hat es ohnehin schon, siehe Merck-Serono – Debakel in Genf.
Ach ja, und noch was: Ich glaube tatsächlich, dass wir an den Margen des Medikamentenverkaufs etwas ändern müssen. Das ist aber rein politisch. Dann können uns die Politiker und andere Neider endlich nicht mehr – fälschlicherweise – vorwerfen, wir würden uns am Medikamentenverkauf unnötig bereichern.
Immerhin werden von den 4.8 Millarden ein Viertel in den ärztlichen Apotheken umgesetzt. Da aber die Hälfte der Schweizer Kantone eine Selbstdispensation haben, ist damit praktisch bewiesen, dass die Mehrheit des Geldes anderswo umgesetzt wird.
Es macht also Sinn, dass die FMH jetzt einen Vorschlag unterbreitet hat zur Vergütung der Beratung anlässlich des Medikamentenverkaufs, und gleichzeitig die Marge für die Logistik gesenkt wird, man also am Verkauf des Medikamentes eigentlich nichts mehr verdient.

Hausarzt-Initiative, Gegenvorschlag und sonst noch…

April 12th, 2011 | By ATK in allgemein, Gesundheitswesen | 1 Kommentar »

Der Bundesrat hat wieder zugeschlagen.

Um der Hausarzt-Initiative, die den Damen und Herren viel zu weit geht, den Wind aus den Segeln zu nehmen, hat man sich ein wortreiches Konstrukt zurecht gebastelt, das die aktuellen Schlagworte ins rechte Licht zu rücken versucht. Die Schlagworte sind insbesondere managed care. Da das so ein bisschen argwöhnisch macht, da „Manager“ nicht mehr über alle Zweifel erhaben sind, nennt man das dann lieber „integrierte Netzwerke“, was dann so was ähnliches wie ein weisser Schimmel ist, denn es impliziert automatisch, dass es desintegrierte Netzwerke gibt (was immer das sein soll. Vielleicht gehen die Politiker davon aus, dass die aktuellen Netzwerke desintegriert sind. – Wenn überhaupt, so kann man dies allerdings am ehesten von den politischen Verflechtungen behaupten).

Wer die Gesundheispolitik über die Landesgrenzen hinaus verfolgt (was ausser der SVP eigentlich alle tun sollten), der kann z.B. in Erfahrung bringen, dass es managed care Modelle in Amerika schon lange gibt. In Amerika wurden übrigens auch die HMO erfunden, die es in der Schweiz nun auch schon 15 Jahre gibt, und die immer noch kein Geld sparen. O.K., diejenigen, die eben den Verlauf in der USA wirklich studiert haben, sahen das kommen, aber wir Schweizer übernehmen ja immer alles aus Amerika, meistens dann, wenn die Amerikaner bereits wieder davon abgerückt sind, da es sich doch nicht bewährt hat.

Der Gegenvorschlag des Bundesrates ist also zur Hauptsache eine in schöne Worte verpackte Verschleierung der Wahrheit:
Tatsache ist nämlich schon lange: Die billigste Medizin machen die Hausärzte, egal ob in Einzel- oder Gruppenpraxis. Sie versorgen bereits bisher 80% der Bevölkerung mit 20% der Gesamtkosten des Gesundheitswesens.
Da kann Bundesrat Burkhalter noch lange palavern, die Aerzte müssten ihre Einzelpraxen aufgeben und besser zusammenarbeiten. Was tut denn der Einzelkämpfer in Schönenbuch? Der bisher mit allen in der Umgebung die beste Zusammenarbeit gepflegt hat, Physiotherapie, Förderunterunterricht, Alternativmethoden, Zuweisungen zu Spezialärzten und Spitälern, wenn notwendig: War doch schon alles ein perfekt funktionierendes Netzwerk!
Die heisse Luft, die da verbreitet wird, bedeutet, wenn man sie umsetzt: Es gibt in der Peripherie gar keine Hausärzte mehr, das nächste Zentrum liegt dann in Allschwil, dort arbeiten 10 Hausärzte, alle Teilzeit, 20 Pflegepersonen (MPA, Pflegefachfrauen, Spitexkräfte etc.), auch Teilzeit, logischerweise, drei Hebammen, fünf PhysiotherapeutInnen, eine Laborantin (auch Teilzeit, aber das muss genügen, der Rest ist ohnehin aus Kostengründen schon lange in Basel zentralisiert) und vor allem: Ein Qualitätsbeauftragter (Vollzeit), ein CEO (Vollzeit) für den Laden (dessen Zapfen selbstverständlich höher liegt als derjenige des Leitenden Arztes des Betriebes, denn der CEO hat ja die Gesamtverantwortung, vor allem für’s Budget, und das ist ja heute viel wichtiger als die Verantwortung für das Wohlergehen der Patienten, wie wir von allen Gesundheitsökonomen täglich erfahren), eine Sekretärin für den Betrieb, drei Sekretärinnen für die Verwaltung, ein Buchhalter, ein Treuhänder (Teilzeit), ein Beauftragter zur Einhaltung der Leistungsvorgaben (Neudeutsch: DRG-Controller). Und das alles kostet dann weniger Geld, als die paar in der Peripherie verteilten Praxen, bei denen 100% der oben beschriebenen Tätigkeiten von 2 Arztgehilfinnen (MPA) und einem Hausarzt erledigt wurden? Von wegen!! Und nachts ab 22 Uhr ist ohnehin niemand erreichbar und man muss bis Basel in eine Permanence oder so.

Die aktuelle Gesundheitspolitik ist pure Augenwischerei. Die Wahrheit lässt sich halt schlecht verkaufen: Das Gesundheitswesen ist zu teuer. Wenn man will, dass es billiger wird, muss man es schlechter machen. Das steht eigentlich im Gegenvorschlag.
Um das zu verhindern, haben die Hausärzte die Hausarzt-Initiative lanciert. Denken Sie also daran, wenn es dann um die Abstimmung geht.

Höhepunkt der aktuellen Gesundheitspolitik ist aber die Ueberarbeitung des Heilmittelgesetzes.
Damit Sie verstehen, was da eigentlich abgeht, werde ich Ihnen die Ueberlegungen des Parlamentes kurz zusammenfassen:
Erstens: Egal, was die Aerzte tun, sie verdienen immer noch Geld dabei. Dies muss unterbunden werden, denn sie könnten sich fälschlich bereichern. Dieses urkommunistische Gedankengut führte in Russland seinerzeit dazu, dass ein Strassenwischer deutlich mehr verdiente als ein Arzt. Er hat aber deshalb nicht besser gewischt. Die ärztliche Versorgung war aber schlecht, denn auch ÄrztInnen sind Menschen. Miese Bezahlung = miese Leistung. Nonnen und Mönche sind beinahe ausgestorben.
Zweitens: Aus diesem Grunde ist nach wie vor eine Möglichkeit zu suchen, dass Aerzte am Medikamentenverkauf nichts mehr verdienen dürfen. Apotheker dürfen schon noch, aber diese sind bekanntlich über jeden Zweifel erhaben und wollen sich keinesfalls bereichern. Im Gegenteil, man sieht den heruntergewirtschafteten Apotheken in unserem Land ja an, wie schlecht es ihnen geht. Die ApothekerInnen haben ja auch kaum mehr Angestellte und müssen immer alles selber machen, ganz im Gegensatz zu diesen schrecklichen Hausärzten und auch vielen Spezialisten, die sich mit einer Unzahl von unnötigen MitarbeiterInnen umgeben.
Drittens: In der Schweiz gibt es über 30’000 registrierte Medizinprodukte und Pharmaka. Etwa die Hälfte davon wird von den Krankenkassen bezahlt. Es gibt aber Studien und sogar Bücher, welche zeigen, dass eigentlich etwa 100 Produkte für das Allernotwendigste und eine gute Notfallmedizin völlig ausreichen. Ziel ist, in 20 Jahren nur noch diese zu vergüten, den Rest, falls man sich diesen Luxus leisten will, muss man dann halt auch selber berappen (also z.B. für das Fachgebiet der Augenheilkunde heisst das: Wahrscheinlich wird überhaupt kein einziges Produkt mehr übernommen, denn zum Ueberleben braucht man keines, und wegen ein bisschen Augenweh oder ein bisschen hohem Augendruck ist noch keiner gestorben).

Der unterschwellige, absolut hanebüchende Vorwurf, Aerzte würden Medikamente nur abgeben, um damit Geld zu verdienen (dahinter steht ja die verdeckte Unterstellung, Aerzte würden Therapien verschreiben, die gar nicht notwendig sind, eine derart schlimme, einem Mobbing entsprechende Grundhaltung, welche den Berufsstand des Arztes missachtet, zeigt, dass diejenigen, die das behaupten, von der ärztlichen Tätigkeiten überhaupt nichts verstanden haben und selber in keiner Art und Weise gewohnt sind, für das, was sie tun, Verantwortung zu übernehmen, was am Ende nicht nur die Aerzte, sondern sie selber eben auch in Misskredit bringt), ist eine Unterstellung, welche gemäss Mobbing-Gesetzgebung eigentlich eine strafbare Handlung darstellt. Bloss, wenn Politiker das mehr oder weniger verblümt äussern, dann ist es gestattet (oder wie?).

Die kontinuierlie Demontage des Gesundheitswesens wird noch eine Weile dauern, wohingegen das Image des Arztes dank konsequenter politischer und medialer Tätigkeit in den letzten 25 Jahren bereits perfekt ruiniert wurde. „Die Aerzte“ zocken ab, stellen falsche Diagnosen, verordnen falsche Therapien, geben zu viele Medikamente ab und verdienen mit all diesen verlogenen Tätigkeiten eine Unmenge Geld. Tatsache ist, dass jeder Krankenkassenverwalter inzwischen deutlich mehr verdient, mehr Ferien hat und für mehr Geld deutlich weniger arbeitet (und schon gar nicht die gleiche Verantwortung hat) als sogar so mancher Super-Spezialist, der mit seiner Chirurgie angeblich so viel verdient.
Wenn die Aerzte denn wirklich so miserabel wären, wie sie immer gemacht werden, warum gehen z.B. Sie überhaupt noch zu einem? – Aber wir werden die Zeiten noch sehnlich herbei wünschen, wo es noch genügend und vor allem auch gute und gut ausgebildete Aerzte gegeben hat. Bald werden wir ein tolles „managed care“-System haben, in dem ganz viele Leute ganz viel Senf zu all unseren Bresteli und Problemli geben werden, wo wir weite Strecken zurücklegen und viel Zeit verplempern werden für keine Lösung unserer Beschwerden.

Dürfen die Aerzte Medikamente abgeben? Dürfen Aerzte überhaupt an dem, was sie tun, etwas verdienen?

Dezember 22nd, 2010 | By ATK in allgemein, Gesundheitswesen | 1 Kommentar »

Heute möchte ich Ihnen mal wieder ein paar Ueberlegungen diesbezüglich darlegen.

Schauen wir z.B. in die neuste Statistik der IMS-Health, so sehen wir, dass Ende 2009 die Apotheken in der Schweiz für 2.554 Milliarden Franken Medikamente umgesetzt haben, die sogenannten SD-Aerzte, also Aerzte mit einer eigenen Apotheke, 1.23 Milliarden. Da es in der Schweiz 1743 Apotheken gibt und 3555 selbstdispensierende Aerzte, kann man leicht ausrechnen, welcher Umsatz hier anfällt. Jede Apotheke hat im Durchschnitt 1.46 Millionen umgesetzt, jeder Arzt 346 Tausend Franken. Also ungefähr ein Drittel. Da er auch noch die deutlich schlechtere Marge als die Apotheke hat – politisch so gewollt – bleibt ihm unter dem Strich also nicht mehr so besonders viel Gewinn (die Zahlen markieren, ich betone es noch einmal, den Umsatz, nicht den Gewinn). Für den Arzt kann man das leicht rechnen: Er hat eine Marge von 8%, das sind 27.680 Franken. Das ist der Gewinn. Im Durchschnitt.
Es fragt sich nun, ob Sie ihm dieses Zubrot gönnen, vor allem, wenn Sie froh sind, beim Arztbesuch gleich noch die notwendigen Medikamente gleich zu erhalten und nicht noch unter Umständen mehrere Kilometer unter die Füsse oder Räder nehmen zu müssen, um sich das notwendige in der Apotheke zu ergattern.

Man kann sich dabei ja immer die philosophische Frage stellen, ob denn jemand, der sich um die Gesundheit eines Menschen bzw. die Heilung oder Pflege einer Krankheit bemüht, dafür überhaupt ein Entgelt bekommen darf.
Seit die Klöster aber unter extremem Personalmangel leiden und eigentlich niemand mehr bereit ist, für Gottes Lohn zu arbeiten, ist diese Frage schlicht obsolet.

Die Aerztliche Medikamenten-Abgabe ist keine Schweizer Eigenheit

März 13th, 2010 | By ATK in Gesundheitswesen | Keine Kommentare »

Seit Jahren versuchen insbesondere die Apotheker, die eine grosse Lobby haben, die Politiker davon zu überzeugen, dass die Eigenheit der Selbstdispensation (Aerzte mit Patienten-Apotheke) ein alter Zopf sei und nur in der Schweiz vorkomme, und das gehöre abgeschafft.
Das stimmt aber nicht. Selbst in Frankreich, das ein Apotheken – Hochburg -Land ist, gibt es die Selbstdispensation, dort sind es aber systembedingt nur einzelne Aerzte, welche die Bewilligung für eine Praxisapotheke erhalten.
Ueberhaupt scheint europaweit der Druck auf die Aerzte enorm zu sein, selbst in Oesterreich, wo es viele (fast tausend) “ärztliche Hausapotheken” gibt (wie das dort heisst), nehmen die Restriktionen enorm zu. Die Vernichtung ärztlicher Kompetenz und Handlungsfreiheit ist ja aber auch ein weltweites Phänomen. Es wird erst wieder besser werden, wenn es keine Aerzte mehr geben wird, welche unter diesen Bedingungen bereit sind, ihre Arbeitskraft und vor allem ihre ärztliche Verantwortung zur Verfügung zu stellen.
Zurück zu den Praxis-Apotheken: Selbst in den Niederlanden, das Vorzeigeland, an dem sich die Schweiz oft orientiert, existiert die Selbstdispensation bzw. Praxisapotheke seit jeher. Wegen den schlechten Gewinnmargen und vielen Restriktionen, welchen die gesamte Medizin dort unterworten ist, hat allerdings deren Zahl innert 20 Jahren sich um drei Viertel reduziert. Das ist aber nicht weiter verwunderlich. Nach der grossen Reform des Gesundheitswesens vor 15 Jahren ist z.B. die Zahl der Augenärzte in Holland von 400 auf 100 zurückgegangen, es gibt nur noch zentralisierte Gemeinschaftspraxen, in denen die Hauptarbeit in der Regel billige Arbeitskräfte erledigen (Brille ausmessen, Augendruck messen, Augenhintergrund fotografieren etc.), und der Patient nur wenn er Glück hat, den Arzt überhaupt sieht, der unterschreibt in der Regel nur noch das Rezept.
In Grossbritannien aber hat die Zahl der selbstdispensierenden Aerzte sogar zugenommen. Rund 14% der Praxen geben dort Medikamente ab, Tendenz steigend.
In Liechtenstein haben alle Aerzte eine Praxisapotheke, und dort wird das auch nicht hinterfragt.
Besonders spannend wird ein Blick in die USA. Ausser dem Mormonenstaat Utah, der ja fast alles verbietet, und damit selbstverständlich auch die ärztliche Medikamentenabgabe, ist die Selbstdispensation im OECD-Mitgliedsland Vereinigte Staaten im Aufwind! Sie ist dort übrigens auch historisch stark verwurzelt.
Streit um Margen gibt es übrigens überall, sogar in Südafrika, aber auch dort blieb die SD unangetastet, und auch im Nachbarstaat Namibia ist die Selbstdispensation sehr weit verbreitet.
In Australien z.B. ist die SD stark eingeschränkt, im benachbarten Neuseeland aber grundsätzlich allen 3500 Hausärzten gestattet.
Macht man also eine Liste der Länder, welche die Medikamenten-Abgabe durch Arzte kennen, so ergibt sich folgende nicht abschliessende Aufstellung:
- 10 Länder in Europa (!)
- die meisten US-Bundesstaaten
- Japan
- Indien, Pakistan, Bangladesh
- China
- Hongkong, Singapur, Malaysia, Brunei
- Neuseeland
- Südafrika, Namibia, Kenia, Nigeria

Und wieder die Apotheker…

März 1st, 2010 | By ATK in Gesundheitswesen | 1 Kommentar »

Man muss sparen im Gesundheitswesen. Jetzt liest man wieder allenthalben von den nicht so guten Folgen. Die Spitäler rüsten auf (wegen den DRG, die Ende nächstes Jahr eingeführt werden), die Gesundheitsdirektoren kriegen kalte Füsse… und die Apotheker kommen sogar im 10 vor 10. Es sei nun genug gespart, die Margenreduktion und gleichzeitige Preisreduktion gehe nun langsam ans Lebendige.

Ach, wirklich? Seit wann denn das?

Die Aerzte draussen in der Prärie wissen das seit 20 Jahren. Wenn die das sagen, glaubt das allerdings niemand. Hoffentlich also glaubt auch diesmal den jammernden Spitälern und Apothekern niemand. Oder doch?

Immerhin sei noch fogendes angemerkt: Die Margensenkung bei den Apothekern ist um 3% geringer ausgefallen als bei den Selbstdispensierenden Aerzten. Die Apotheker kriegen immerhin noch 12%, die Aerzte nur noch 8. Da ungefähr 7% für die Logistik drauf gehen, kann man sehen, wieviel noch zu verdienen ist. Selbst ein Arzt, der für 250000 Franken Medikamente umsetzt, holt nicht mehr viel ab, nämlich 2500 Franken Reingewinn. Und da ist die Mehrwertsteuer noch nicht mit eingerechnet.  So viel zu den sogenannten riesigen Nebenverdiensten, welche die Aerzte mit Selbstdispensation angeblich einfahren können….

Aber einmal mehr sind die Apotheker wieder die Armen. Ach je ach je, ich komm gleich um vor Erbarmen!

AMA Arzt

Dezember 11th, 2009 | By ATK in Gesundheitswesen | 3 Kommentare »

Heute folgt nun die ganze Wahrheit über die Aerzte mit Patientenapotheke bzw. über die diffamierte Selbstdispensation, die man deshalb umgetauft hat in ärztliche Medikamentenabgabe. Ich schwöre: die ganze Wahrheit und nichts als die Wahrheit. Amen.
Beachten Sie dazu auch frühere Beiträge, z.B. vom 9.9.2009 inklusive Kommentare.

Die ärztliche Medikamentenabgabe ist durch verschiedene Ereignisse und Tatsachen in Verruf geraten.
Historisch gesehen ist es so, dass die Abgabe von Medikamenten durch Aerzte in vielen Ländern in ländlichen Regionen sich durchgesetzt hat, in industrialisierten Ländern mit hoher Bebauungsdichte aber durch verschiedene, teils universitäre, teils politische Massnahmen zunehmend in die Hände der Pharmazeuten übergeben wurde. Länder wie Frankreich oder England haben eine höhere Apotheken als Aerztedichte. Dort ist auch logisch, dass die Abgabe von Medikamenten durch Aerzte nichts bringt, weil die Apotheke eh näher liegt.

Von der universitären Ausbildung her muss man wissen, dass Pharmaceuten sehr viel lernen über die Grundlagen der verschiedenen Therapeutice, sehr viel von Biochemie verstehen müssen und vor allem die Herstellungsprozesse mit allen Reinheitsgeboten bis ins letzte Detail kennen müssen. Von Krankheiten und insbesondere deren Diagnostik lernen sie NICHTS. Apotheker kennen also schon die Zusammenhänge von Krankheiten und deren Behandlungen, sie lernen aber nichts über die grundlegende Diagnostik.
Anders bei den Medizinern. Diese lernen zwar nichts über die Herstellungsprozesse von Pharmaceutica, haben aber ein Jahr lang Chemie, ein Jahr lang Biochemie und ein Jahr lang Pharmakologie als Grundlagenfach, um die grossen Zusammenhänge zu lernen. Was die Therapie angeht, lernen Aerzte nicht nur die Wechselwirkungen zwischen einzelnen Substanzen, sondern natürlich auch insbesondere die Wirkungen, Nebenwirkungen und Wechselwirkungen im menschlichen Körper. Wer, wenn nicht die Aerzte, müssen im Stande sein, eine unerwünschte Wirkung eines Wirkstoffes (welcher auch immer, kann ja auch ein Gift sein, ein Lebensmittelallergen usw.) im menschlichen Körper zu erkennen, und dann auch zu behandeln?
Aus dieser Warte betrachtet ist die Botschaft zum neuen Heilmittelgesetz, das gerade in der Vernehmlassung ist, reiner Hohn und Spott. Dort steht mehr oder weniger wörtlich, dass es sanitätspolizeilich zu untersagen sei, dass Aerzte Medikamente an Patienten abgeben dürfen. – äh, was? – Haben die Politiker versagt und die Ausbildung der Aerzte an den Universitäten irgendwie versaut? Wenn dem so wäre, dann wäre ganz prinzipiell in der Ausbildung der Akademiker etwas ganz übel schief gelaufen, und die Politiker müssten sich diesbezüglich gehörig an den Ohren nehmen, das ist nämlich ihr Gebiet, sie legen das fest bzw. bewilligen die Studiengänge. Dafür gibt es extra ein Bundesamt!

Inzwischen aber wird locker vom Hocker von diesem Bundesamt, das keine Fehler macht (Bundesamt für Aktivismus und Grubenschlamm = BAG), behauptet, dass in Kantonen, in denen Aerzte Medikamente abgeben dürfen, die Kosten höher sind als in jenen mit Rezeptpflicht. Sie berufen sich dabei auf eine Studie (Dummermuth) aus dem Jahre 1994. Wenn das BAG keine aktuelleren Studien zur Verfügung hat, dann Gnade uns Gott!!

Diese Studie Dummermuth übrigens ist aus verschiedenen anderen Gründen interessant. Sie hat sich nämlich schon mal zwei spezifische Kantone ausgesucht, die so ähnlich wie irgendwie möglich sein sollten, einmal mit Selbstdispensation und einmal ohne, wobei das eben für den Kanton Aargau auch nicht ganz stimmt. Nachher kamen so „gescheite“ Leute wie unser allseitsbeliebter Gesundheitsökonom Willi Oggier, die dann in komplizierten Rechnungsmodellen doch noch furchtbar viele Unterschiede aus den beiden Kantonen herauszumodellieren versuchten, um schliesslich zu beweisen, dass Dummermuth Recht hatte. Z.B.: Wenn man den Anteil Rätoromanen in beiden Kantonen verrechnet… und so Zeugs halt. Dass Dummermuth für die Studie das Jahr 1993 nahm, ist ebenfalls signifikant, denn es ist das letzte Jahr, in dem die Kosten im Kanton Luzern tatsächlich höher waren als im Kanton Aargau. Danach war es bis heute immer umgekehrt (!!).

(Siehe  Grafik unten, die ist übrigens von der santésuisse, also von der Dachorganisation der Krankenkassen)

Weil Bundesrat Couchepin unbedingt beweisen wollte, dass seine These von den zu hohen Medikamentenumsätzen der selbstdispensierenden Aerzte (Aerzte mit Praxis-Apotheke oder eben ärztlicher Medikamenten-Abgabe (AMA)) stimmt, hat er eine Studie in Auftrag gegeben, die aus dem Büro des Preisüberwachers geliefert wurde, die Studie Hunkeler: Diese Studie ist besonders interessant zu lesen, weil man da sehr gut zeigen kann, wie man Studien manipulieren muss, um sie so aussehen zu lassen, wie man gerne hätte. Hunkeler nahm 18% der häufigst verschriebenen Medikamente aus dem Kanton Aargau und verglich diese gegen 88% der häufigst verschriebenen Medikamente im Kanton Luzern. Dann rechnete er den AErzten im Kanton Luzern zu diesem Medikamentengewinn noch den Gesamtumsatz der Praxis dazu und bezeichnete dies als Einkommen. Vergessen hat er dabei, die Praxisunkosten abzuziehen. So kommen die Aerzte im Kanton Luzern zu einem wundersamen Einkommen von über 400’000.-. Man fragt sich angesichts solcher Zahlenmodelle, wieso die Döktis überhaupt noch arbeiten; wenn die das richtig anlegen, reicht es immer noch, jeden Tag im Cabrio oder im Ferrari durch die Gegend zu bolzen, statt in der Praxis zu schuften.

Traurig daran ist eben nur, dass unsere lieben Politiker sich auf diese Studien berufen und deshalb die Abschaffung der ärztlichen Medikamenten-Abgabe fordern. Weil Studien aus dem Hause des Preisüberwachers sicher in jedem Fall weniger gefälscht sind als Studien der Aerzte, denn Aerzte sind, wie wir ja alle aus eigener Erfahrung wissen, sehr gut im Fälschen. Sie bemühen sich nicht um wissenschaftlich korrektes Arbeiten, sie bilden sich nicht weiter, sie benutzen von Pharmafirmen und Bundesämtern aufs Gröbste gefälschte Studien, Sie lügen uns Patienten jeden Tag das Blaue vom Himmel, reden uns Krankheiten ein, die wir gar nicht haben, verdonnern uns zu Therapien und Gipsschienen, die wir gar nicht wollen und reden uns die ganze Zeit ein, wie oft wir in die Praxis zu kommen haben. – Oder doch nicht?

Unterstützt werden die Rufer und Aerztehasser durch so prominente Figuren wie Herrn Jordan, den aktuellen Präsidenten der pharmasuisse, also der Apotheker. Herr Jordan ist zwar Walliser, aber trotzdem ein guter Freund von Pascal Couchepin. Zufall? – Herr Jordan findet ja sowieso, dass ein Arzt kein Medikament ohne Apotheker abgeben kann. Deshalb ist ja seit Jahren auf jedem REGA-Flug, in jeder Intensiv-Station, in jedem Operationssaal, neben jedem Anästhesisten und übrigens auch neben jedem Zahnarzt ein Apotheker zugegen, der die korrekte Medikamentenabgabe überwacht (kicherkicher)!
Herr Jordan betont ja immer: Wer berät, verkauft nicht. Wie er das dann erklären will, warum der Apotheker, der auch berät, dann doch verkauft, verschweigt er uns vorläufig (vielleicht hat er sich ja inzwischen eine schlaue Erklärung ausgedacht. Apotheker sind ja viel schlauer als Aerzte, deshalb braucht es sie ja). – Deshalb reden die Apotheker auch lieber vom 4-Augen-Prinzip: 4 Augen sehen mehr als 2, die Kontrolle ist dadurch besser. Das stimmt. Das würde aber bedeuten, dass der Apotheker, der was abgibt (also nach einer Beratung in der Apotheke, nicht auf Rezept), zuerst die Genehmigung vom Hausarzt einholen muss bzw., ganz korrekt argumentiert, darf er nichts verkaufen, sondern der Hausarzt muss das dem Patienten dann geben. Wenn man so rum argumentiert, sieht man schon, wie verquer diese ganze von den Pharmazeuten verzwungene Geschichte daher kommt.

In Tat und Wahrheit ist es ja so, dass der Apotheker am Medikamentenverkauf in jedem Fall mehr verdient. Erstens hat er die von den Politikern warum auch immer höhere Marge zugestanden, zweitens darf er dazu immer noch eine Bearbeitungsgebühr verrechnen, drittens kenne ich keinen Apotheker, der zu den rezeptierten Medikamenten nicht noch irgendetwas Gutes dazu zu verkaufen weiss, ein Teeli, ein Pülverli oder die Hustenpastillen aus hauseigener Produktion…

Ja, auch wir Aerzte verdienen daran, nicht gut zwar, aber immerhin (aktuell beträgt die Marge noch12%, gültig ab April 2010 dann noch weniger, davon muss man die Unkosten für den Betrieb der Apotheke abziehen, also Retouren, abgelaufene Produkte, vergessene Verrechnung, Aufwand für Reinigung, Unterhalt, Inventur, Leistungserfassung, Rechnungs- und Bestellwesen. Bleiben vielleicht noch 5%, wenn man es gut rechnet und gut organisiert, bei mir sicher weniger, da mein Umsatz sowieso nur bei 60 Tausend Franken (pro Jahr) liegt. Jetzt können Sie selber rechnen, was da am Ende des Jahres unter dem Strich bleibt. 3000.-höchstens, das tut mir sicherlich nicht weh, wenn ich keine Medikamente mehr abgeben darf, wegen den 250 Franken monatlich weniger im Portemonnaie werde ich noch nicht in Konkurs gehen. Nur die Patienten werden es bedauern, dass sie Beratung und Medikament nicht gleich in der Praxis bekommen. Der Apotheker wird sich nämlich nicht die Zeit nehmen, zu erklären, wie Sie am besten die Augen-Tropfen nehmen.

Dann gibt es da noch ein paar Fakten und Zahlen. Im Kanton Luzern gibt es aktuell 32 Apotheken. Davon sind mehr als die Hälfte, nämlich 18, in der Stadt Luzern. So viel schon mal zum Thema kundenfreundliche Versorgung.
Aerzte mit Praxisapotheke in freier Wildbahn gibt es rund 400. Wenn man jetzt mal hochgerechnet davon ausgeht, dass diese Aerzte für 250’000 Franken im Jahr Medikamente umsetzen, so ergibt das einen Pharma-Umsatz von genau 100 Mio. Franken. Dürfen die Aerzte keine Medikamente mehr abgeben, fällt dieser Umsatz den Apotheken zu, die so – 100 Mio geteilt durch 32 – je Apotheke 3.125 Mio mehr Umsatz machen, Verteilung selbstverständlich wahrscheinlich ziemlich ungerecht verteilt zwischen Zentrums- und Peripherie-Apotheken, doch das ist ja dann den Apothekern ihr Problem. Warum allerdings der Gewinn aus dem Medikamentenverkauf, der ja pro Arzt aus zwei Gründen (er kriegt nämlich auch nur 5% vom Umsatz, wohingegen der Apotheker 8% vom Umsatz erhält) eh viel geringer ausfällt als pro Apotheker, beim Arzt eine Schweinerei und Abzockerei und eine Gefahr für die Bevölkerung darstellt, beim Apotheker aber nicht, diese Antwort bleiben uns BAG, pharmaswiss und alle anderen AMA-Gegner schuldig. Falls Sie es wissen, bitte informieren Sie mich umgehend per mail oder Kommentar zu diesem Beitrag!!

Zu all dem gesellt sich ein meines Erachtens erheblicher Ueberlegungsfehler der Politiker, welchletztere die Selbstdispensation bzw. ärztliche Medikamentenabgabe kritisieren. Wenn Sie den Hausärzten eine Gate-Keeping-Funktion zutrauen und diesen also eine Beurteilung der notwendigen Massnahmen mit Sparfunktion zumuten und überantworten, so widerspricht es der Annahme, dass dieselben das dann ausgerechnet bei den Medikamenten nicht können. Man könnte ja auch argumentieren, wenn der Hausarzt schon den Türsteher machen muss, so wird er sich darum bemühen, alles möglichst selber in die eigene Tasche zu wirtschaften und selber zu regeln. Die Zahlen sprechen aber – wie ja auch bei der AMA – für sich: Dort, wo Aerzte selber schauen und wirtschaften, ist es immer am billigsten. Da hilft nichts, kein Wischiwaschi, kein Herunterleiern der immer gleichen falschen Zahlen und Studien, kein Wiederholen der Vorurteile. Aerzte arbeiten in der Summe effizient und kostengünstig!

Wenn Sie also auch glauben, dass eine Studie aus dem letzten Jahrhundert als Beweis genügt, dass wir Aerzte erstens immer noch zu teuer und zweitens sowieso untauglich sind, dann sollten sie uns tatsächlich abschaffen. Wenn Sie aber froh sind, dass Sie noch einen richtigen Hausarzt haben, dann sollten Sie ihn pfleglich behandeln, er macht es nicht mehr lange, es ist ein armer Arzt.

Zuletzt: Falls Sie noch nicht genug vom Thema haben, und/oder sich sogar noch weiter informieren wollen: Hier finden Sie auf alle Ihre Fragen eine Antwort: www.apa-dma.ch.

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