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Sprache und Feminismus oder: Gibt es eine Gleichberechtigung in der Sprache?

März 9th, 2011 | By ATK in allgemein | 1 Kommentar »

Nachdem ja erst kürzlich wieder der Tag der Frau war (ist ja auch so was, da regt sich kein Schwein auf, dass es keinen Tag des Mannes gibt. Wenn wir schon anfangen wollen mit der Gleichberechtigung, dann muss dieser Tag ab jetzt heissen: Tag der Gleichberechtigung, oder Tag der gleichgeschlechtlichen Emanzipation (der „egal-geschlechtlichen“ wäre ja vielleicht noch besser!)!), und sich wieder alle darüber ausgelassen haben, was noch nicht gut und schon seit Jahrhunderten oder Jahrtausenden schlecht: Hier der ultimative Text. Frau Pusch (Die Feministin, fleissige Buchautorin und Sprachforscherin, siehe http://www.fembio.org/biographie.php/frau/blog ) findet ja, man müsse die Sprache entmännlichen oder zumindest neutralisieren. Also:

Liebe Leserinnen

Frau Pusch schlägt vor, das Weltfrauentag in ein globales Feiertag umzuwandeln. HA, was gibt es denn da zu feiern, bitte? Noch nichts, oder? EBEN.

Die Frage, die sich bei all diesen komplexen Strömungen und Entwicklungen und gesellschaftspolitischen Belangen ja stellt, ist die folgende: Beeinflusst die Sprache unser Denken, oder beeinflusst das Denken unsere Sprache?

Was sie in vielen gescheiten und auch weniger gescheiten Büchern und Exposées von Linguistikerinnen und anderen Möchtegernen (Achtung: Das Möchtegern=geschlechtsneutral, nichts von maskulinisiert, gelle! Es gibt nämlich auch weibliche Möchtegerne, und das nicht zu knapp) lesen können, lässt sich auf diese einfache Formel zusammenfassen.

Die Antwort ist so simpel wie frustrierend: Beides!

Da können sich Linguistinnen göttlich (auch das: bekanntlich eine Frau. „Als Gott den Mann erschuf, machte sie einen Fehler“!) drüber aufregen, dass sich Männer (das einzige Wort in diesem Text, das sich nicht neutralisieren lässt!) stundenlang an ihren sprachlichen Wurzeln ergötzen können, z.B. das Bett auf Hebräisch ein weibliches Geschlecht hat und damit mit Sanftheit, Wohligkeit und (mütterlicher) Geborgenheit besetzt ist. So what? Was ist daran falsch?

Vielleicht hat sich ja sein Bild verändert, seit er genügend Emanzen kennengelernt hat und geht inzwischen nicht mehr gerne schlafen, oder dann nur noch auf dem Sofa, da dieses neutral sächlich zu sein scheint. Who knows?!

Immerhin ist es doch spannend zu sehen, dass insbesondere im Deutschen die Sonne z.B. weiblich besetzt ist, etwas, das warm gibt, Leben gibt, Freude macht, erhellt (in des Wortes mehrfacher Bedeutung), wohingegen sie in den alten romanischen Sprachen eben männnlich ist, le soleil, il sol. Umgekehrt der Mond, im Deutschen voll unromantisch männlich, wohingegen man das zärtlich-weibliche des zarten Mondlichtes, den Zauber der Nacht, das Mystische der Dunkelheit und des Mondlicht-Silbers in „luna“, „la lune“ förmlich heraushört, sprachlich herauskitzelt. ( Es heisst ja übrigens auch: DER Tag, DIE Nacht. Gell!)

Wie kam das wohl so? (Hat sich da sprachlich die Herrin des Hauses voll durchgesetzt?)

Das gesellschaftliche Umfeld prägt die Sprache. Was wir denken, sprechen wir aus. Über was wir sprechen, denken wir nach. Insofern kann man den ewigen Kampf äh sorry, das ewige Kämpfen der Feministinnen durchaus nachvollziehen. Krakeelt frau lange genug über ihre Benachteiligung, auch sprachlich, mag es vielleicht das serbokroatische „hey, Monn, i figg dini Mueter“ irgendwann übertönen.

So viel zum Sexismus in der Sprache.

Wir sind, so leid es mir tut, weit weg von einem Feiertag, meine Damen!! – Und ja, vielleicht liegt es ja daran, dass viel zu viele (Frauen) zufrieden sind mit ihrem Zustand – oh verflixt, ein männliches Wort, DER Zustand, hm, was nehmen wir denn da alternativ? Die Zustand? Die Zuständigkeit? Hm, passt gar nicht so schlecht. Sie sind zufrieden mit ihrer Zuständigkeit…hihi, witzig witzig! Und ist das also schlecht? Frau Pusch nennt es Sklavinnen-Syndrom. Unter Sklavinnen ist die Aufständische eine Abtrünnige und geächtet. Soso. Aber nein aber nein, böse intrigante hinterhältige Weiblein, aberaber!

Gleichberechtigung würde bedeuten, dass Männer anfangen, genau so tratschtantig, intrigant und zickig zu werden wie Frauen. Gott behüte uns davor!!

Also: Definitiv kein Feiertag! Basta!