Wo entsteht eigentlich die
Kostenexplosion im Gesundheitswesen?
Lagebeurteilung
- Die Gesamtkosten im Gesundheitswesen der Jahre 1985 bis1997 (12 Jahre, Bundesamt für Statistik) zeigen, dass keine Kostenexplosion stattgefunden hat. Die durchschnittliche Kostensteigerung pro Jahr beträgt 4.2%. In diesen Jahren hat die Bevölkerung um mind. 1 Million zugenommen und die Alterskurve hat sich um mehr als 2 Jahre nach oben verschoben. Die Kostensteigerung wird dadurch stark relativiert.
- Krankenkassenprämien: Ausgerechnet bei der Einführung des neuen KVG ergibt sich ein Kostenschub von 22%, wobei die Prämien um 22% nach oben gingen, nicht aber die Kosten für die erbrachten Leistungen, diese gingen im ersten Jahr sogar im bisherigen Basisbereich um 0.4% zurück!
- Gründe für die Prämiensteigerung sind also Ausweitung des Leistungskataloges in der Grundversicherung und Abnahme der Subventionierung (bis zu 90%) durch die öffentliche Hand.
- Erklärungsbedürftig ist auch die Tatsache, dass die Gesamtprämien die effektiven Gesundheitskosten übersteigen. Gleichzeitig weisen viele Kassen, besonders die grossen, Millionengewinne aus.
- Ende 1998 kündigte die Helsana eine Prämienerhöhung um durchschnittlich 4.8% an. Interessant dabei ist, dass man im Jahre 1999 beim Studium der Jahresrechnung 1998 der Helsana einen Verwaltungsmehraufwand von 4.8% feststellen konnte. Macht Sie das nicht auch nachdenklich? Der Kostenanstieg im Kanton Luzern betrug in den letzten Jahren stets 12% und entspricht damit ziemlich genau der Teuerung.
Gesamtschweizerisch gab es eine Zunahme der Ärzte um rund 4%, gleichzeitig aber eine Abnahme der Arztkosten von 0.2%. Im Bereich der ärztlichen Leistung erfolgte daher keine Mengenausweitung. - Es erfolgte aber eine Ausweitung der ambulanten Spitalkosten von gesamtschweizçrisch 63%! (Im Kanton Luzern etwa 33%). Der nächste Kostenschub ist schon, abzusehen: Die Einführung des neuen Arzttarifes wird einen Schub auslösen, und zwar, weil es vorgegebene Idee ist, die Allgemeinpraktiker mehr verdienen zu lassen. Diese «verbrauchen» aber 82% des Gesamtbudget im ambulanten Bereich. Schon nur kleine Änderungen des Taxpunktwertes führen damit zu enormen Steigerungen des Gesamtumsatzes!
Fakten II
In letzer Zeit haben sich wieder etliche Politiker und Behördenvertreter mächtig profiliert mit Vorschlägen zur Reduktion der Gesundheitskosten.
Dabei sind insbesondere wiederum Massnahmen auf dem Buckel der Freipraktizierenden Ärzte vorgesehen, was ja auch logisch erscheint:
- Wenn die Kosten der Medikamente steigen (neuentwickelte Medikamente sind zwangsläufig teurer, die Globalisierung regelt den Preis weltweit),
- Wenn die ambulanten Kosten der Spitäler steigen,
- Wenn die Pflegekosten steigen ... dann muss man logischerweise die Ärztezahl reduzieren!
Für dieses Vorgehen kennt der Volksmund ein Sprichwort: Den Sack schlagen und den Esel meinen.
Wir Ärzte haben demnächst genug davon, immer den Sündenbock für Fehlleistungen der Politik spielen zu müssen.
Wir werden uns wehren. Weil: Einsparungen auf dem Buckel der Ärzte sind am Ende Einsparungen auf Kosten der Patienten!
Dietmar Thumm

